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Sauerstoffmangel bei der Geburt: Traumafolgen, ADHS und Autismus

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Sauerstoffmangel bei der Geburt

Mir begegnen in meiner Praxis viele Betroffene mit Biografien, die mich an mein Leben erinnern. Manches nimmt mich davon mir, es berührt mich, denn es erinnert mich an meine Geschichte, an meine Suche nach Antworten. Meine Patienten sind in der Regel herausragende Persönlichkeiten und manche von Ihnen hatten Worte für Zustände, die ich nicht besser beschreiben konnte. Viele von Ihnen kommen wegen einer ADHS oder Autismus Diagnostik – andere suchen nur nach Gründen, die dazu führen, dass sie trotz Diagnose und Medikation nach wie vor enorme Schwierigkeiten haben in ihren Beziehungen.


Und selbst die wenigen Menschen, die sich bei mir in der Praxis melden, welche nicht im neurodivergenten Spektrum sind, schildern mir Symptome, die ich kenne, seit ich denken kann. Die Themen Geburtstrauma und Transgenerationale Weitergabe sind immer mehr in aller Munde. Glücklicherweise habe ich jetzt einige Erklärungen dafür.

Mein Geburtstrauma im Mutterbauch

Ich erlebte im Bauch meiner Mutter einen Zwillingsverlust in der sechsten Schwangerschaftswoche und kam mit Sauerstoffmangel auf die Welt. Schon als ich klein war fühlte ich mich deswegen unglaublich schuldig, hatte Alpträume und spürte eine verzehrende Sehnsucht. Ich fühle mich leer, verlassen, einsam und ich hatte den Eindruck ich könnte niemals glücklich sein. Wie ich heute weiß sind Sauerstoffmangel und ein Zwillingsverlust beides Faktoren für ein erhöhtes Risiko von komplexem Geburtstrauma, ADHS und Autismus Spektrum- Störungen.


Viele meiner Patienten haben ebenfalls Sauerstoffmangel gehabt und manche von Ihnen erlebten auch einen Verlust des Zwillings. Ein Grund für mich meine Beobachtungen zu teilen:


Wenn die Nabelschnur dich fast erwürgt

Eine häufige Ursache für Sauerstoffmangel ist die Nabelschnurumschlingung, bei der sich die Nabelschnur um den Hals oder andere Körperteile des Kindes legt. Diese Umschlingung kann die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn des Neugeborenen teilweise oder vollständig blockieren. In der Folge kann es zu einem sogenannten perinatalen Hypoxie-Trauma kommen, das vielfältige gesundheitliche Auswirkungen nach sich ziehen kann.


Zu den möglichen Folgestörungen eines solchen Sauerstoffmangels gehören nicht nur körperliche, sondern auch psychische und neurologische Beeinträchtigungen. Häufig berichten Betroffene von einem frühen Geburtstrauma, das sich später in Form von Ängsten, Bindungsstörungen oder erhöhter Stressanfälligkeit äußern kann.


Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Sauerstoffmangel bei der Geburt das Risiko für die Entwicklung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöht. Studien zeigen, dass Kinder, die unter einer Hypoxie gelitten haben, häufiger Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und motorische Unruhe aufweisen.


Sauerstoffmangel kann Autismus hervorrufen

Auch der Zusammenhang zwischen perinatalem Sauerstoffmangel und Autismus-Spektrum-Störungen wird wissenschaftlich intensiv untersucht. Wie bereits in der Studie der UCLA-Forscher festgestellt wurde, kann ein Sauerstoffmangel bei der Geburt das Risiko für Autismus um bis zu 26 % erhöhen. Besonders bei schwerer Hypoxie scheint das Risiko signifikant anzusteigen.


Die genauen biologischen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, doch es wird angenommen, dass die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff in einer kritischen Entwicklungsphase zu bleibenden Veränderungen in der neuronalen Verschaltung führen kann.


Der verlorene Zwilling und die große Traurigkeit danach

Menschen, die einen Zwillingsverlust erlitten haben, berichten hingegen häufig von unerklärlichen Gefühlen von Leere, Traurigkeit oder „fehlender Hälfte“. Bei ADHS können diese Gefühle mit Impulsivität, Konzentrationsproblemen und innerer Unruhe einhergehen. Im Kontext von Autismus wird vermutet, dass der frühkindliche Verlust zu einer verstärkten Empfindsamkeit und Schwierigkeiten im sozialen Kontakt beitragen kann.


Obwohl die Forschung (ebenfalls von der UCLA) hierzu noch nicht abschließend ist, zeigt sich, dass die Verarbeitung des Zwillingsverlusts im Mutterbauch ein wichtiger Aspekt für die psychische Gesundheit und das Verständnis der individuellen Entwicklung sein kann.

Es gibt darüber hinaus weitere verschiedene Theorien, die den Zusammenhang zwischen Zwillingstrauma und Autismus erklären könnten:

 

- Stress und Trauma: Ein Zwillingstrauma kann zu einer erhöhten Stressreaktion bei der Mutter führen, was wiederum die Entwicklung des fetalen Gehirns beeinflussen könnte.

- Epigenetische Veränderungen: Ein Zwillingstrauma könnte epigenetische Veränderungen bei dem überlebenden Zwilling auslösen, die die Genexpression und die Entwicklung des Gehirns beeinflussen könnten.

- Hormonelle Veränderungen: Ein Zwillingstrauma könnte zu hormonellen Veränderungen bei der Mutter führen, die die Entwicklung des fetalen Gehirns beeinflussen könnten.


Studienlage bezüglich Sauerstoffmangel bei der Geburt

Die Studie bezüglich des Sauerstoffmangels, auf die ich mich bezog, wurde 2019 in der Zeitschrift "Journal of Autism and Developmental Disorders" veröffentlicht. Die Studie wurde von Forschern der University of California, Los Angeles (UCLA) durchgeführt.

Die Studie trägt den Titel "Neonatal Hypoxia and Risk of Autism Spectrum Disorder: A Population-Based Cohort Study" und wurde von Forschern wie Dr. Anny H. Xiang, Dr. Xinhui Wang und Dr. Rusan Chen durchgeführt.


Die Studie umfasste eine Kohorte von über 600.000 Kindern, die zwischen 1991 und 2008 in Kalifornien geboren wurden. Die Forscher analysierten die Daten von Kindern, die bei der Geburt Sauerstoffmangel (Hypoxie) erlitten hatten, und verglichen sie mit Kindern, die keinen Sauerstoffmangel erlitten hatten.


Die Studie fand heraus, dass Kinder, die bei der Geburt Sauerstoffmangel erlitten hatten, ein um 26% höheres Risiko für Autismus hatten als Kinder, die keinen Sauerstoffmangel erlitten hatten. Das Risiko war besonders hoch bei Kindern, die einen schweren Sauerstoffmangel erlitten hatten. Menschen mit Zwillingsverlust haben dagegen ein 30% höheres Risiko. Ich habe beides erlebt und mein Trauma übrigens inzwischen abgelöst.


Wenn du mehr erfahren willst, vereinbare gerne einen Termin in meiner Praxis und wir machen uns auf die Suche nach der Antwort für all deine Fragen.

 
 
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